Gore-Tex und Alternativen: Membranen im Vergleich
Gore-Tex und Sympatex im Vergleich: Wassersäule nach EN 343, Atmungsaktivität, PFAS in ePTFE und ePE, Haltbarkeit und Pflege für Jacke und Schuh.
Inhaltsverzeichnis

Warum sind meine Gore-Tex Schuhe nicht mehr wasserdicht?
Meist ist nicht die Membran undicht, sondern die wasserabweisende Ausrüstung (DWR) auf dem Außenmaterial hat nachgelassen. Die Abkürzung DWR steht für „durable water repellent“, also dauerhaft wasserabweisend. Diese dünne Schutzschicht sorgt dafür, dass Wasser in Tropfen abperlt, statt vom Textil aufgesogen zu werden, und sie leistet laut Hersteller einen wichtigen Beitrag zum Tragekomfort, weil sie verhindert, dass sich Kleidung und Schuhe klamm anfühlen[1]. Die Bergfreunde-Materialkunde hält den Schluss „Wasser perlt nicht mehr ab, also ist die Jacke nicht mehr wasserdicht“ für falsch: Die Membran macht das Produkt dicht, und zwar dauerhaft. Eingedrungenes Wasser im Außenstoff bildet jedoch eine zusätzliche Barriere und behindert den Wasserdampfdurchgang[2].
- Abperleffekt fehlt: Ohne intakte DWR verliert das Obermaterial seine wasserabweisende Wirkung; ein durchnässter Außenstoff fühlt sich kühl und klamm an[1].
- Feuchtigkeit von innen: Eingedrungenes Wasser im Außenstoff bildet eine zusätzliche Barriere und behindert den Wasserdampfdurchgang, weshalb sich das Produkt von innen feucht anfühlt[2].
- Nähte und Verklebungen: Nähte in wasserdichten Stoffen sind potenzielle Schwachstellen, durch die Feuchtigkeit eindringen kann[3].
- Bereiche außerhalb der Membran: Bei Schuhen dringt Nässe häufig dort ein, wo die Konstruktion keinen vollständigen Schutz bietet, etwa an Schnürung und Schaftabschluss. Hier hilft nur nachzusehen, wo genau die Feuchtigkeit ankommt.
Eine ermüdete DWR lässt sich laut Gore auffrischen: das Produkt normal waschen und trocknen und zum Abschluss im Trockner mit Wärme behandeln. Lässt sich die DWR-Imprägnierung durch Waschen und Wärme nicht mehr auffrischen, muss eine neue Imprägnierung aufgetragen werden, entweder als Pumpspray oder zum Einwaschen[1]. Für Schuhe gilt dasselbe Prinzip in angepasster Form: Schmutz entfernen, schonend reinigen, Pflegeprodukt für Membranschuhe verwenden. Wer sich bei der Diagnose unsicher ist, prüft zuerst, ob Wasser durch das Obermaterial zieht oder an einer Naht, einem Verschluss oder am Schaftrand eindringt. Nur im zweiten Fall ist ein Defekt die Ursache.

Was sind die Nachteile von Gore-Tex?
Die Nachteile von Gore-Tex liegen beim Tragekomfort, bei der Umweltbilanz und beim Pflegeaufwand. Der Vergleich mit der porenlosen Membran Sympatex zeigt, wo die Kompromisse liegen[4].
- Tragekomfort: Gore-Tex gilt als robust und langlebig, aber als nicht ganz so bequem; Sympatex ist weniger steif und damit angenehmer zu tragen, so der Vergleich des britischen Outdoor-Portals Advnture (2024)[4].
- Rohstoffe und Entsorgung: Gore-Tex basiert auf Kunststoffen aus erdölbasierten Quellen und baut sich biologisch sehr langsam ab; Sympatex gilt dagegen als biologisch abbaubar und recycelbar[4].
- Pflegeaufwand: Die DWR-Imprägnierung hält nicht unbegrenzt und muss durch Waschen und Wärme aufgefrischt oder mit einem Pumpspray beziehungsweise Einwaschprodukt erneuert werden. Gore weist darauf hin, dass die PFAS-freie Imprägnierung weniger ölbeständig ist und regelmäßiger aufgefrischt werden muss[1].
- Atmungsaktivität ohne Pflege: Durch häufiges Tragen verunreinigen Schweiß, Schmutz und Sonnencreme Funktionstextilien von innen, was die Dampfdurchlässigkeit einschränkt; regelmäßiges Waschen verbessert die Atmungsaktivität deutlich[2].
Wie schwer diese Punkte wiegen, hängt vom Einsatz ab: Entscheidend ist, welche Bedingungen Sie dem Kleidungsstück zumuten. Die Abwägung zwischen Gore-Tex und Sympatex folgt im Vergleich weiter unten.
Was bedeutet Gore-Tex?
Gore-Tex ist eine wasserdichte, atmungsaktive Membran und eine Marke des US-Unternehmens W. L. Gore & Associates, gegründet 1958. Die klassische Membran besteht aus gerecktem Polytetrafluorethylen, kurz ePTFE, wobei das „e“ für „expanded“ steht. Beim Recken entsteht eine dünne Folie mit einer netzartigen Struktur aus winzigen Poren[2]. Die Membran ist damit mikroporös, während porenlose Alternativen wie Sympatex Feuchtigkeit über chemische Prozesse transportieren[4].
- Auf einem Quadratzentimeter der Membran sitzen rund 1,4 Milliarden mikroskopisch kleine Poren[2].
- Die Poren sind laut Bergfreunde rund 20.000 Mal kleiner als ein Wassertropfen, aber 700 Mal größer als ein Dampfmolekül[2].
- Wasser in flüssiger Form bleibt deshalb außen, während Wasserdampf von Schweiß durch die Poren nach außen entweichen kann. Genau diese Kombination macht das Material wasserdicht und atmungsaktiv zugleich[2].
2021 stellte Gore eine zweite Materialplattform vor: die ePE-Membran aus expandiertem Polyethylen, hergestellt ohne fluorierte Materialien. Die ersten Produkte damit kamen im Herbst 2022 auf den Markt, 2023 folgten die ersten dreilagigen Performance-Produkte zusammen mit Marken wie Mammut, Norrøna und Patagonia[5]. Wer heute ein Gore-Tex-Produkt kauft, bekommt also je nach Modell entweder die klassische ePTFE- oder die neuere ePE-Membran. Beide tragen das Herstellerversprechen, dauerhaft wasserdicht, winddicht und atmungsaktiv zu sein, unterscheiden sich aber in Material, Gewicht und chemischer Zusammensetzung[6].
Sind Gore-Tex Schuhe wasserdicht?
Ja, die Membran in Gore-Tex-Schuhen ist wasserdicht, und zwar weit über den Normwerten. Die europäische Norm EN 343 für Schutzkleidung ordnet Textilien ab einer Wassersäule von rund 1.300 Millimetern der Klasse 3 zu, ab rund 2.000 Millimetern der Klasse 4[7]. Gore-Tex-Membranen werden mit einer Wassersäule von rund 28.000 Millimetern angegeben[7]. Das ist eine Herstellerangabe, kein unabhängiger Messwert, und sie bezieht sich auf die Membran im Neuzustand. Für die Einordnung im Vergleich:
| Wassersäule | Einordnung |
|---|---|
| 800 mm | Wasserdicht Klasse 1 und 2 nach EN 343 |
| 1.300 mm | Wasserdicht Klasse 3 nach EN 343 |
| 2.000 mm | Wasserdicht Klasse 4 nach EN 343[8] |
| rund 28.000 mm | Herstellerangabe für Gore-Tex-Membranen[4] |
| > 45.000 mm | Herstellerangabe für die Sympatex-Membran; Sympatex-Laminate werden mit > 20.000 mm ausgewiesen[8] |
Die Wassersäule allein sagt aber nicht alles. Druck treibt Wasser durch den Stoff: Die Bergfreunde nennen als Beispiel, dass eine liegende Person mit 80 Kilogramm und 1,80 Meter Körpergröße bereits rund 1.000 Millimeter Druck erzeugt, im Knien dagegen etwa 14.000 Millimeter[7]. Auch Rucksackgurte oder starker Gegenwind können so Wasser durch die Jacke pressen[7]. Bei Schuhen kommen Nähte, Verklebungen, Schnürung und Schaftabschluss hinzu, also Stellen, an denen die Konstruktion und nicht die Membran entscheidet[9]. Ein wasserdichter Wert im Datenblatt garantiert daher keine trockenen Füße in jeder Situation, sondern beschreibt das Material unter Laborbedingungen.

Was ist besser, Sympatex oder Gore-Tex?
Gore-Tex ist die bessere Wahl, wenn Atmungsaktivität und Robustheit zählen, Sympatex, wenn Tragekomfort und Recycling zählen. Beide Membranen sind wasserdicht, winddicht und atmungsaktiv. Die Tabelle fasst die Unterschiede zusammen; die Werte sind Herstellerangaben oder stammen aus veröffentlichten Vergleichen (abgerufen im Oktober 2026):
| Kriterium | Gore-Tex | Sympatex |
|---|---|---|
| Struktur | Mikroporös, klassisch aus gerecktem PTFE (ePTFE)[4] | Porenlos, aus Polyesterether-Copolymer[10] |
| Wassersäule (Herstellerangabe) | rund 28.000 mm[4] | > 45.000 mm (Membran), > 20.000 mm (Laminate)[10] |
| Atmungsaktivität | Deutlich atmungsaktiver, gilt im Vergleich als klarer Vorteil[4] | Weniger atmungsaktiv als Gore-Tex[4] |
| Tragekomfort | Robuster und langlebiger, aber weniger geschmeidig[4] | Bis zu 300 Prozent dehnbar, angenehmer auf der Haut[10] |
| Umweltbilanz | Erdölbasiert, sehr langsamer biologischer Abbau[4] | Voll recyclingfähig, PTFE- und PFC-frei laut Hersteller[10] |
Für technische Bergtouren, anspruchsvolles Wandern und Bedingungen, in denen Robustheit und hohe Atmungsaktivität zählen, ist Gore-Tex eine verlässliche Wahl. Für Alltag, Reisen, leichte Wanderungen und elastische Kleidung wie Softshellhosen oder eng sitzende Jacken passt Sympatex oft besser, weil es sich weicher anfühlt und sich leichter recyceln lässt[4]. Wer auf PFAS verzichten möchte, findet bei Sympatex laut Hersteller eine Membran ohne PTFE und PFC[10], bei Gore-Tex die neuere ePE-Produktlinie[6]. Beide Wege setzen unterschiedliche Prioritäten.
Ist in Gore-Tex PFAS?
Klassische Gore-Tex-Membranen aus ePTFE werden mit PFAS hergestellt, die neue ePE-Membran ohne absichtlich zugesetzte PFAS. PFAS sind per- und polyfluorierte Substanzen, die wegen ihrer Langlebigkeit auch „forever chemicals“ genannt werden. Dass ePTFE mit PFAS hergestellt wird, schreibt die US-Umweltorganisation Toxic-Free Future unter Berufung auf Angaben von Gore[11].
- Klassische ePTFE-Membran: wird laut Toxic-Free Future mit PFAS hergestellt[11].
- Neuere ePE-Membran: kommt ohne absichtlich zugeführte PFAS aus, erste Produkte kamen Ende 2022 auf den Markt[11]. Gore selbst weist in einer Fußnote darauf hin, dass das Laminat dennoch Spuren enthalten kann[6].
- DWR-Imprägnierung: Gore bietet eine PFAS-freie Imprägnierung an, auch hier mit dem Hinweis auf mögliche Spuren[1].
- Ankündigung von 2021: Gore kündigte an, umweltschädliche PFC ab 2023 nicht mehr zu verwenden; Greenpeace ordnete das als Erfolg seiner Detox-Kampagne ein[12].
Kritik bleibt trotzdem bestehen. Toxic-Free Future bemängelte, Gore habe sich nicht öffentlich verpflichtet, alle PFAS aus der Herstellung von Gore-Tex-Produkten und aus den DWR-Behandlungen zu eliminieren[11]. Wer PFAS so weit wie möglich meiden will, achtet auf die Produktbezeichnung: ePE-basierte Gore-Tex-Produkte und Sympatex-Laminate sind die klarere Wahl als klassische ePTFE-Modelle. Diese Einschätzung bezieht sich auf den Stand der veröffentlichten Angaben, nicht auf eine unabhängige Messung einzelner Produkte.
Wie lange ist Gore-Tex wasserdicht?
Die Gore-Tex-Membran bleibt dauerhaft wasserdicht; sie verliert ihre Dichtigkeit nicht von allein. Was nachlässt, ist die DWR-Imprägnierung auf der Außenseite, und die hält nach Angaben von Gore nicht unbegrenzt[1]. Die Bergfreunde ergänzen einen wichtigen Punkt: Die angegebenen Wassersäulen gelten für neues Material, gebrauchte und abgenutzte Stoffe verlieren an Leistung[7]. In einem gesponserten Gastbeitrag bei Bergfreunde (2024) heißt es: „Eine GORE‑TEX- Jacke hält bei moderater Nutzung und guter Pflege sieben bis fünfzehn Jahre. Oft auch länger.“ Das ist eine Einschätzung, keine garantierte Angabe[5].
- Regelmäßig waschen: Gore betont, dass seine Produkte auf lange Haltbarkeit ausgelegt sind und regelmäßiges Waschen für eine optimale Leistung sogar wichtig ist[1].
- Kein Weichspüler: Weichspüler kann die feinen Poren einer mikroporösen Membran wie Gore-Tex dauerhaft verstopfen und die Atmungsaktivität mindern[13].
- Schäden reparieren: Kleine Löcher lassen sich oft selbst flicken, größere Schäden professionell reparieren[5].
Für die Kaufentscheidung heißt das: Vergleichen Sie Wassersäule und Atmungsaktivität im Datenblatt des jeweiligen Produkts, nicht die Marke auf dem Etikett. Die Wassersäule sagt etwas über den Schutz vor Wasserdruck aus, Werte wie RET oder MVTR über die Dampfdurchlässigkeit, also wie gut Schweißdampf nach außen entweicht[7]. Beide Angaben zusammen, gepaart mit dem geplanten Einsatz und dem Budget, sind eine bessere Grundlage als ein einzelnes Markensiegel. Und weil sich die Werte auf den Neuzustand beziehen, entscheidet am Ende die Pflege darüber, wie lange ein Produkt das versprochene Niveau tatsächlich hält.
Häufig gestellte Fragen
Welche Wassersäule gilt als wasserdicht?
Die europäische Norm EN 343 für Schutzkleidung ordnet Stoffe ab rund 1.300 mm der Klasse 3 und ab rund 2.000 mm der höchsten Klasse 4 zu, jeweils nach Vorbehandlung. Gore-Tex-Membranen werden mit rund 28.000 mm angegeben, die Sympatex-Membran mit über 45.000 mm.
Ist Sympatex besser als Gore-Tex?
Das hängt vom Einsatz ab. Sympatex ist porenlos, dehnbar und voll recyclingfähig, die Membran ist mit über 45.000 mm Wassersäule angegeben; sie gilt aber als weniger atmungsaktiv. Gore-Tex gilt als robuster und atmungsaktiver. Für Alltag und Reisen kann Sympatex die angenehmere Wahl sein.
Ist in Gore-Tex PFAS enthalten?
Klassische Gore-Tex-Membranen aus ePTFE werden mit PFAS hergestellt. Seit Ende 2022 gibt es Produkte mit der ePE-Membran, die ohne absichtlich zugesetzte PFAS hergestellt wird. Toxic-Free Future kritisiert, dass Gore sich nicht verpflichtet hat, alle PFAS aus der Fertigung zu entfernen.
Warum wird meine Gore-Tex-Jacke von innen nass?
Meist ist Schweißdampf die Ursache: Keine Membran ist vollständig atmungsaktiv, und je wasserdichter der Stoff, desto weniger Dampf entweicht. Ein durchnässter Oberstoff ohne intakte DWR-Imprägnierung blockiert den Wasserdampftransport zusätzlich. Waschen, Wärme im Trockner oder Nachimprägnieren helfen, die Funktion wiederherzustellen.
Wie oft muss man Gore-Tex imprägnieren?
Die dauerhaft wasserabweisende Ausrüstung (DWR) hält nicht unbegrenzt. Sobald Wasser nicht mehr in Tropfen abperlt, sollte sie aufgefrischt werden, etwa durch Waschen und Wärmebehandlung im Trockner oder durch ein Pumpspray beziehungsweise ein Einwaschprodukt. Wie häufig das nötig ist, hängt von Nutzung, Schmutz und UV-Einstrahlung ab.
Sind Gore-Tex-Schuhe wirklich wasserdicht?
Die Membran selbst ist wasserdicht, aber der Schuh ist ein System: Nähte, Schnürung und Schaftabschluss sind potenzielle Schwachstellen. Zudem treibt Druck, etwa beim Knien oder durch Rucksackgurte, Wasser durch den Stoff, weshalb die reine Wassersäule nur ein Richtwert ist. Gore-Tex-Infinium-Produkte gelten dagegen als wasserabweisend, nicht als wasserdicht.
Wie lange hält die Wasserdichtigkeit von Gore-Tex?
Die Membran ist auf dauerhafte Leistung ausgelegt, verliert aber ohne Pflege an Wirkung. Wassersäulen-Angaben beziehen sich auf den Neuzustand; gebrauchte und abgenutzte Stoffe verlieren an Eigenschaften. Regelmäßiges Waschen mit Feinwaschmittel, kein Weichspüler und schonendes Trocknen erhalten die Funktion über Jahre.
